Leistungssport-Pädagogik. Sportpädagogische Ansätze für eine neue Lehr- und Lernkultur
Beim Nachdenken über Themen aus der Sportpädagogik wird recht bald deutlich, dass es nur wenige Publikationen und/oder Untersuchungen zum Pädagogischen des Leistungssports bzw. der innerhalb des Leistungssports ablaufenden Prozesse gibt. Eine wirklich fundierte theoretische und empirische Grundlage für die sportpädagogische Auseinandersetzung mit Fragen des Spitzensports ist nicht erkennbar, wie es kaum Ansätze zu geben scheint, dieses Defizit zu beheben. Dies erscheint bedenklich, ist doch gerade die Tätigkeit von Trainern und Übungsleitern sehr stark von pädagogischen Interventionen geprägt, für die es entsprechende wissenschaftliche Grundlagen und theoretische Positionen, Modelle und Konzeptionen geben muss. Mit der vorliegenden Arbeit nimmt sich Kerstin Behm dieses Problemfeldes an und formuliert vier Teilbereiche, die es wissenschaftlich zu untersuchen galt:
- Konsequenzen des Tätigkeitskonzepts für die leistungssportliche Tätigkeit und den darauf gerichteten pädagogischen Prozess
- das Zusammenwirken der primär an leistungssportlichen Prozessen beteiligten Athleten/Teams einerseits und der TrainerInnen andererseits sowie die tätigkeitsrelevanten sozialen Beziehungen
- die tätigkeitsrelevante Kommunikation in ihrer Einheit von Verbalem und Nonverbalem im pädagogischen Prozess
- der Aneignungsprozess in der leistungssportlichen Tätigkeit, insbesondere das Lehren und Lernen.
Dafür entscheidet sich die Autorin für eine tätigkeitsorientierte Analyse, um den Leistungssport sowohl hinsichtlich der Tätigkeit selbst, deren Ergebnisse und Folgen zu betrachten, gleichzeitig aber auch die pädagogische Intervention durch Trainer in der Interaktion mit betreuten SportlerInnen und Mannschaften zu untersuchen.
In einer ersten Schlussfolgerung konnte sie feststellen, dass das gewählte Konzept den langfristig ablaufenden und durch eine hohe Komplexität geprägten Prozessen im leistungssportlichen Training und Wettkampf gut entspricht, da es möglich ist, Entwicklungsprozesse zu verfolgen. K. Behm macht auch deutlich, dass bei aller Körperbezogenheit leistungssportlicher Tätigkeiten, andere Leistungsvoraussetzungen und -faktoren, darunter auch pädagogische, nicht geringgeschätzt oder gar ausgeblendet werden dürfen. In gleicher Weise ist es wichtig pädagogische Konzepte zur Verfügung zu haben, mit denen aus pädagogischer Sicht Handlungen und Prozesse der Aneignung, Vervollkommnung, ja Perfektionierung im Leistungssport begleitet, unterstützt werden können. Diese sind durch die Besonderheiten des Leistungssports gekennzeichnet, sollen zu einem bestimmten Zeitpunkt und in der sportlichen Auseinandersetzung mit Konkurrenten ihre höchste Ausprägung (im Saisonverlauf) erreichen. Hier sind auch die Grenzen zur Psychologie fließend, sind psychoregulative Modelle und Verfahren gezielt mit einzubeziehen. Eine weitere Besonderheit leistungssportlicher Tätigkeit, die Entsprechungen in pädagogischen Interventionen finden muss besteht darin, dass Training/Tätigkeit oftmals in Gruppen stattfindet, dadurch wesentlich beeinflusst wird, manchmal erst in der Gruppe möglich ist. Andererseits können sich daraus auch Probleme ergeben, da die Partner in Gruppen auch schnell zu sportlichen Konkurrenten, Gegnern werden können.
Ein sehr wichtiger Aspekt der Arbeit von Kerstin Behm widmet sich der Tätigkeit des Trainers, der einerseits Einfluss auf die von ihm betreuten Sportler nimmt und ihnen bei der Erfüllung ihrer Ziele hilft, andererseits aber auch eigene Ziele besitzt und diese versucht umzusetzen. Hinzu kommt der oftmals sehr langfristig angelegte Entwicklungsprozess im Spitzensport, der in den verschiedenen Etappen des langfristigen Leistungsaufbaus differenzierte pädagogische Interventionen erfordert. Hier gilt es, in der Traineraus- und -fortbildung entsprechende Kompetenzen auszuprägen, die es dem Trainer gestatten, seiner Verantwortung gerecht werden zu können. Themen wie Sprache und Sprechen, Lehr- und Lernkultur, Planen, Tätigkeits- und Handlungsorientierung, Rückmeldungen, Kontrolle und Bewertung werden in diesem Zusammenhang als bedeutsam eingeschätzt.
Insgesamt entwirft die Autorin in ihrem Buch ein Bild der biopsychosozialen Einheit des Menschen und der menschlichen Leistungsentwicklung als einem pädagogisch zielgerichtet geführten Prozess.
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| Subjects: | |
|---|---|
| Notations: | social sciences |
| Language: | German |
| Published: |
Marburg
Tectum
2008
|
| Edition: | Marburg: Tectum, 2008. - 563 S. |
| Pages: | 563 |
| Document types: | book |
| Level: | advanced |