Einfluss des Armschwunges beim 31/2-fachen Rückwärtssalto gehockt im Turmspringen - eine Mehrkörpersimulation

Die Koordination der Armbewegung mit der Bewegung anderer Körpersegmente hat nicht nur für den Absprung eine große Bedeutung, sondern auch in der ersten und letzten Phase der Flugbewegung eines Wassersprungs. Köthe und Hildebrand (2006) konnten bei einem Auerbachsprung einen Drehwinkelgewinn von 24° nachweisen, der allein durch verschiedene Armführung während des Einnehmens der Ausführungshaltung entsteht. Ziel dieser Untersuchungen ist es, die Unterstützung der Rückwärtssaltobewegung durch einen bzw. zwei Vorwärtsarmkreise nach Verlassen der Plattform zu simulieren (Mehrkörpersimulationssystem alaska/dynamicus, Institut für Mechatronik Chemnitz) und die Auswirkungen auf die Bewegung abzuschätzen. Methode: Auf Grundlage der 3-D-Analyse eines realen Sprungs einer Weltklasseathletin und ihrer anthropometrischen Daten wurde ein individuelles Sportlermodell erstellt. Als Ergebnis der Bewegungsanalyse erhält man die biomechanischen Parameter der Bewegung, insbesondere die Gelenkwinkelverläufe. Diese werden in einem ersten Schritt geglättet und symmetrisiert. Der Schulterwinkelverlauf wird im ersten Viertel nach dem Lösen vom Turm um 360° bzw. um 720° erhöht. Der Drehwinkelgewinn in dieser Phase kann für ein zeitigeres Öffnen des Sprungs durch Modifizierung von Hüft- und Kniewinkelverläufen in der letzten Flugphase genutzt werden. Zeit-, Höhen- und Drehimpulsgewinne werden quantifiziert. Ergebnisse und Diskussion: Vorwärtsarmkreise unterstützen nach dem Impulserhaltungssatz wie erwartet die Rückwärtsdrehbewegung. Bei einem einfachen Armkreis ergibt sich ein Drehwinkelgewinn von 25,6°, bei zwei Armkreisen ein Gewinn von 46,5°. Damit könnte der Sprung bei gleichzeitigem Strecken von Knie- und Hüftwinkel 0,06 s bzw. 0,16 s früher geöffnet werden, was einer Vorverlagerung des Beginns der Streckung von 3,53 m auf 4,01 m bzw. 5,13 m über dem Wasser entspricht. Dadurch erhöht sich die Virtuosität des Sprungs. Alternativ ist eine Reduktion des Drehimpulses von 46,4 Nms auf 45,2 Nms bzw. 44,6 Nms bei gleichem Eintauchwinkel möglich. Die Armschwungvarianten stellen demnach eine alternative Lösungsmöglichkeit für Sportler mit geringeren Sprungkraftvoraussetzungen dar. Die praktische Erprobung steht noch aus; eventuell sind durch den Armschwung auch höhere Schwierigkeiten möglich.
© Copyright 2014 Neue Ansätze in der Bewegungsforschung. Jahrestagung der dvs-Sektion Biomechanik vom 13.-15. März 2013 in Chemnitz. Veröffentlicht von Feldhaus, Ed. Czwalina. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft technische Sportarten
Veröffentlicht in:Neue Ansätze in der Bewegungsforschung. Jahrestagung der dvs-Sektion Biomechanik vom 13.-15. März 2013 in Chemnitz
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hamburg Feldhaus, Ed. Czwalina 2014
Schriftenreihe:Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 235
Seiten:86-91
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch