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Spitzensport und Studium. Herausforderungen und Lösungsansätze zur Ermöglichung dualer Karriere

Der Sport in seinen vielfältigen Ausprägungen, Varianten und Facetten hat in der Bundesrepublik Deutschland einen hohen zivilgesellschaftlichen und auch staatlichen Stellenwert (vgl. Hummel/Wendeborn 2019). Sport transportiert Werte und Ideale. Auch darin schlägt sich die hohe gesellschaftliche Wertschätzung wieder. Sport hat das Potential zu verbinden und zu integrieren, zu erziehen und zu bilden sowie präventiv zu wirken. Diesem Fairplay Gedanken stehen jedoch aktuelle Verfehlungen um Korruption, Betrug und Doping gegenüber, die in einer aufgeklärten Zivilgesellschaft umso gravierender wirken. Entsprechend konstatiert Alkemeyer (2016) in einem Interview im Deutschlandfunk: "Eine aufgeklärte Demokratie braucht keinen Leistungssport". Dem ist dahingehend zu wiedersprechen, dass vor allem in einer aufgeklärten Demokratie die Chancen auf einen aufgeklärten Leistungssport bestehen. Mehr noch, haben solche Staatsformen die Möglichkeit und vor allem die Pflicht, einen solchen aufgeklärten Leistungssport auch zu ermöglichen (vgl. Wendeborn 2018). Zudem entwickeln sich sehr große Bereiche der sportiven Bewegungskultur in Deutschland in bislang nicht vorstellbarem Ausmaß und beachtlicher Qualität. Die breit angelegte sportive Bewegungskultur in Deutschland befindet sich seit Jahrzehnten auf einem Siegeszug. Davon betroffen sind das breitensportlich ausgerichtete, auch leistungsbewusste und wetteifernde Sporttreiben in ganz unterschiedlichen Settings, welche sich nahezu unabhängig von den Entwicklungen im organisierten und staatlich geförderten Spitzensport entwickeln. So ist das Versagen einzelner staatlicher und nichtstaatlicher Gremien im internationalen Sport, einschließlich der Sportwissenschaft, in Relation zu dieser positiven Entwicklung geradezu belanglos. Entsprechend stellen Hummel und Wendeborn fest: "Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der Weltfußballverband (FIFA) können eigentlich machen was sie wollen, den Sport kriegen sie nicht kaputt" (2016, S. 9). Dies geschieht unter Verweis auf die moderne Zivilgesellschaft in Deutschland und die nicht zu umgehende biopsychosoziale Verfasstheit (vgl. Wessel 2015) der Menschen mit ihrer Bewegungs und Sportbedürftigkeit, die sehr viel wirkungsmächtiger sind. An diese Problemlage anknüpfend, widmet sich der vorliegende Band dem Thema Dualer Karrieren von studierenden Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Einführend skizzieren André Schneider und Thomas Wendeborn die Rahmenbedingungen zur Ermöglichung dualer Karrieren von Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern an deutschen Hochschulen. Dies geschieht unter Verweis auf die aktuellen Entwicklungen, u. a. das Konzept zur Neustrukturierung des Leistungssports und der Spitzensportförderung in der Bundesrepublik, welches vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), dem Bundesministerium des Innern (BMI) sowie der Sportministerkonferenz (SMK) im Jahre 2016 verabschiedet wurde. Daran anschließend folgt die Olympiaanalyse zur Struktur und des Erfolgs der deutschen Olympiamannschaft bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro von André Schneider und Christoph Fischer. Traditionell wird diese für jeden Olympischen Zyklus seitens des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband (adh) durchgeführt und gibt einen differenzierten Überblick über die teilnehmenden Statusgruppen, die Anzahl der Studierenden nach Sportarten, die Verteilung auf die einzelnen Hochschulen und Fachrichtungen sowie weitere Marker. Im Beitrag von Benjamin Bendrich wird die Situation von studierenden Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern innerhalb des Sportsystems betrachtet. Im Schwerpunkt werden der Einstieg in das Spitzensportsystem, die Betreuung an den Olympiastützpunkten und in den Verbänden sowie die ersten Auswirkungen der Spitzensportreform auf den studentischen Spitzensport betrachtet. Innovative E Learning Ansätze für studierende Spitzensportlerinnen und Spitzensportler zur Ermöglichung Dualer Karrieren werden in dem Beitrag von Verena Jahn untersucht und reflektiert. Dabei werden insbesondere die Chancen und Risiken des Einsatzes von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien im Kontext von Spitzensport gegenübergestellt. Axel Häbler beschäftigt sich in seinem Beitrag mit den Möglichkeiten der Resilienzförderung im Lebensabschnitt Studium durch sportliche Aktivität. Dabei geht er davon aus, dass es resilienten Studierenden gelingt, Entwicklungsrisiken weitestgehend zu kompensieren, negative Einflüsse auszugleichen und gleichzeitig weitere Kompetenzen erwerben. Er gibt einen Einblick, welchen Effekt der Sport und die sportlichen Aktivitäten in ihren körperlichen, emotionalen, affektiven und sozialen Resonanzen auf Konstrukte der Resilienzforschung haben. Thomas Köhler, Claudia Börner und Jens Drummer betrachten die Möglichkeiten des Einsatzes von E-Learning zur Verbesserung der unterrichtlichen Unterstützung für sportlich stark belastete Schülerinnen und Schüler an sportbezogenen Schulen. Konkret wird der Versuch E-Learning an sportbetonten Schulen (ELeaS) analysiert, welcher an allen sächsischen Sportgymnasien durchgeführt und evaluiert wurde. Damit wird ein Beitrag insbesondere zum Schwerpunkt Organisationsentwicklung in Sportsystemen und zur aktuellen Diskussion um die Verknüpfung von Unterrichtsmethodik und E-Learning geleistet. Peter Ehnold und Thomas Wendeborn richten den Blick auf die Möglichkeiten, Grenzen und Ansatzpunkte politischer Steuerung dualer Sportkarrieren. Der Beitrag nähert sich dieser Problemlage aus einer dezidiert systemtheoretischen, mithin soziologischen Perspektive. In den Fokus rücken zum einen die generellen Limitierungen von politischen Steuerungsversuchen, zum anderen werden Unterschiede in Art und Umfang der politischen Eingriffe, in Abhängigkeit von der konkreten Form der dualen Karriere, verdeutlicht. Volker Tolkmitt betrachtet das Thema duale Karriere als Anwendungsbeispiel für ein ganzheitliches Risikomanagement. Dabei folgt er der Prämisse, dass die konsequente Vorbereitung eines Lebens nach dem Leistungssport im Rahmen einer dualen Karriere bereits die Definition eines Risikomanagements erfüllt. In seinem Beitrag geht er risikomindernden Maßnahmen auf den Grund und bettet sie ein in seinen Ansatz des ganzheitlichen Risikomanagements. Die Entwicklung und Perspektiven eines deutschlandweit einmaligen Programms zur Unterstützung studierender Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern werden im Beitrag von Sarah Seidl thematisiert. Konkretisiert wird dies am Beispiel des "Spitzensport Stipendium Metropolregion Rhein Neckar", welches als Nachfolge des Mannheimer Sportstipendiums zu verstehen ist. Der Beitrag beschreibt den Entstehungs und Entwicklungsprozess sowie die Leistungen und Inhalte des Mannheimer Sportstipendiums und des "Spitzensport Stipendium Metropolregion Rhein Neckar". Barbara Halberschmidt und Bernd Strauß stellen in ihrem Beitrag den Standort Münster, als Partnerhochschule des Spitzensports, vor. Dabei werden vor allem die Vernetzung innerhalb (Dezernate, Abteilungen, Service Einrichtungen...) und außerhalb (Olympiastützpunkt, Stadt Münster, Leistungsstützpunkte...) der Universität kenntlich gemacht und die zahlreichen Beratungsangebote vor, während und zum Abschluss des Studiums besprochen. Abschließend geben Marion Stascheit und Karoline Pernt einen Einblick in das Technikum des Spitzensports die Hochschule Mittweida und führen verschiedene Beispiele erfolgreicher dualer Karrieren an. Dabei wird deutlich, dass die sportliche Begeisterung der Studierenden bis in die Gründungszeit der Hochschule Mittweida vor 150 Jahren zurückreicht. Sie organisierten sich anfangs in Turn und Fechtclubs, später kamen Radfahr- und Ballspielvereine dazu. Entgegen allgemeiner Tendenzen wurden die sportlichen Aktivitäten der Studierenden von Seiten der Direktion des Technikums gefördert. Eindrucksvoll werden dualer Karrieren von Fritz Opel (Student von 1894 bis 1897), Udo Steinberg (Student von 1895 bis 1900) und Vincent Duncker (Student von 1904 bis 1907) nachgezeichnet. Schneider, A. (et al.): Ermöglichung dualer Karrieren von Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern an deutschen Hochschulen - Eine Einführung Schneider, A. (et al.): Studierende Spitzensportlerinnen und Spitzensportler bei den Olympischen Spielen in Rio - Analyse zur Struktur und Erfolg der deutschen Olympiamannschaft 2016 Bendrich, B.: Studentischer Spitzensport zwischen Desinteresse, Realität und Reform - Die veränderte Prioritätensetzung der Spitzensportförderung und ihr Einfluss auf künftige Athletengenerationen Jahn, V.: Back Flip meets Flipped Classroom - Die Ermöglichung von dualen Karrieren für studierende Spitzensportlerinnen und Spitzensportler durch innovative E-Learning-Ansätze Häbler, A.: Belastbarer im Studium durch Sport - Möglichkeiten der Resilienzförderung im Lebensabschnitt Studium durch sportliche Aktivität Köhler, T.,Börner, C., Drummer, J.: E-Learning an Sportgymnasien - Ergebnisse eines Schulversuchs an den Sportgymnasien im Freistaat Sachsen Ehnold, P., Wendeborn, T.: "Die Politik wird es schon richten!" - Möglichkeiten, Grenzen und Ansatzpunkte politischer Steuerung dualer Sportkarrieren Tolkmitt, V.: Die duale Karriere als Anwendungsbeispiel für ein ganzheitliches Risikomanagement Seidl, S.; Das "Spitzensport-Stipendium Metropolregion Rhein-Neckar" - Entwicklung und Perspektiven eines deutschlandweit einmaligen Programms zur Unterstützung studierender Spitzensportlerinnen und Spitzensportler Halberschmidt, B.;Strauß, B.: Die WWU als Partnerhochschule des Spitzensports - Best Practice am Standort Münster Stascheit, M.;Pernt, K.: Ein "Technikum des Spitzensports" - Beispiele erfolgreicher dualer Karrieren vor über 100 Jahren
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Nachwuchssport
Tagging:E-Learning Resilienz Karriereende Karriereverlauf
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Heidelberg Springer 2020
Schriftenreihe:Angewandte Forschung im Sport
Seiten:271
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch